Besuch bei Bundespräsident Heuss

Und weiter ging es. Das Berliner Hebbel-Theater beauftrage mich, für sie ein Stück zu schreiben. Ich tat es. Sein Titel“ Und will sie durchs Feuer führen“. Uraufführung – gelaufen, gut gelaufen, aber natürlich kein Vergleich zum Superrenner „Perspektiven“.

Und so war ich plötzlich drin und dran – und ich konnte es eigentlich gar nicht recht begreife – es ging alles so schnell. Der Präsident des Berliner Schriftstellerverbandes sagte mir einmal: „Das ist die kleine Ewigkeit“. Das war sie wohl auch.

Und so kam es zu erstaunlichen Dingen. Der Präsident des Schriftstellerverbandes – die Treffen fanden in der „Möwe“ statt, nahe dem Kurfürstendamm – er kam dort eines Tages auf mich zu und überbrachte mir eine Einladung des Bundespräsidenten Theodor Heuss. Ein Abendbesuch war angesagt. Nun, diese Ehre, mein Gott und kaum von den Brandsohlen runter – nun Glanz und Gloria – nun vor dem Höchsten –

Der Besuch fand statt. An meiner Seite Präsident des Schriftstellerverbandes. Er hatte noch einen anderen Schriftsteller mitgebracht – er kam uneingeladen – Rolf Italiander. Er konnte damit rechnen nicht abgewiesen zu werden. Aber die Einladung galt mir.

Der Besuchsabend kam – in seiner Residenz in Westberlin. Da staunte ich aber gleich vor dem Portaleingang – da standen zwei deutsche Soldaten in Uniform mit den alten deutschen Stahlhelmen. Gewehr über – natürlich präsentierten sie nicht vor uns. Sie ließen uns passieren und nun trafen wir ihn, den Bundespräsidenten. Er war nicht furchteinflößend, aber er war eine imponierende Persönlichkeit. Er hatte auch etwas väterliches, gemütvolles, beruhigendes. Er war die Ruhe – ganz die Ruhe und er strahlte Vertrauen aus. Ich saß neben ihm und er hörte mir zu. Ich erzählte von meiner Zeit dort drüben im Osten – mein Leben dort, das Leben dort. Er stellte viele Fragen und wir tranken uns zu mit einem wohlschmeckenden Frankenwein. Es war ein intimes Gespräch. Ja – ein Gespräch mit einem Vater. Ich war tief beeindruckt von ihm. Hier gab es keine Verstellungen keine Posen, hier war alles natürlich, alles echt und einfach – vor allem eben menschlich. Wir saßen bis Mitternacht. Papa Heuss, wie er liebevoll von den Bürgern genannt wurde, er brachte uns zum Abgang und wartete mit uns auf ein Taxi in die Stadt. Und danach – danach haben wir drei uns noch mächtig die Nase begossen. Italiander zahlte die Zeche. Er soll das später bereut haben – es war eine ansehnliche Summe. Aber das habe ich nicht zu verantworten. Wer spendiert darf leiden.