Papageien am Meer

Papageien am Meer (Anthologie)

Zwölf Schriftsteller in Nordfriesland

 

120 Seiten

Umschlagfoto von Jörg Lehmann

Format: 12,5 x 18,6 cm

1. Ausgabe 1985

ISBN 3-924989-01-X

Preis: 3,99 €

  Daß in Nordfriesland nach Theodor Storm weiterhin viel lesenswertes geschrieben wird, beweist dieses 'Nordfriesische Lesebuch'. Es bietet einen bunten Querschnitt durch die literarische Vielfalt heimischer Autorinnen und Autoren. Zwölf Erzählungen, vier Satiren, eine Ballade und ein wenig Lyrik. Vielleicht kann diese Auswahl eine Abregung sein, mehr von den vorgestellten Autoren zu lesen, lohnenswert ist dies allemal.

  (Klappentext)

  Joachim Tettenborn ist mit seiner ersten Ballade 'Gesa - Die Jungfrau von Westerhever' und der Erzählung 'Kaiser, König, Edelmann' vertreten.

Joachim Tettenborn erinnert sich

Und nun tritt ein Mensch in mein Leben, von dem ich bisher noch nie etwas gehört hatte. Ein Fremder. Er hieß Bernd Tetens. Er war so um die vierzig Jahre alt – er hätte mein Sohn sein können. Er betrieb einen kleinen Verlag. Er hatte von mir gehört und wandte sich mir nun zu.

Wir waren ja auch beinahe Nachbarn. Ich in Westerhever – er in Husum. Husum gut dreißig Kilometer von meinem kleinen Nordseedorf entfernt – klein, ja – etwas hundert Seelen.

Ich lag zu diesem Treffen im Kreiskrankenhaus Husum mit einer Thrombose am rechten Unterschenkel.

Da trat dieser Bernd Tetens plötzlich mein Krankenzimmer und stellte sich vor, auch seinen kleinen Verlag. Er plane eine Anthologie herauszugeben. Kleine Geschichten. Kurzgeschichten von den Autoren, die hier an der nordfriesischen Küste ihren Wohnsitz haben. Dazu gehörte ich auch – wenn auch nicht ganzjährlich – da wartete immer noch mein Haus in meinem Weindorf bei Mainz.

Er bat mich um eine Kurzgeschichte für sein Buch. Die künstlerische Betreuung hatte ein ortsansässiger Schriftsteller übernommen, der zwei Kilometer von mir entfernt wohnte, Uwe Herms. Er hatte schon einen recht guten Bekanntheitsgrad. Er gab dem Buch den Titel „Papageien am Meer“. Ich bat um Bedenkzeit und überlegte, was ich anbieten könne. Und da fiel mir eine Kurzgeschichte ein, die ich ein halbes Jahr vorher geschrieben hatte, die allerdings ziemlich anspruchsvoll war. Der Titel „Kaiser, König, Edelmann . . „

Ein paar Wort zum Inhalt, denn diese Kurzgeschichte war eine wichtige Stufe zum Weiteren.

Ort – das Jenseits – der ferne Himmel.

Die Verstorbenen, die nun ihren Sitz im Jenseitigen hatten war aufgerufen zu neuem Tun. Es wurde eine Auswahl derer geplant, die zur Erde zurückkehren sollten. Die zukünftigen Lebensdarsteller galt es auszuwählen. Der Jenseitsregisseur verteilte dann die Rollen an die Lebensrückkehrer. Aber es erhob sich auch Murren nach der Bekanntgab. So beschwerte sich einer der Kommenden, dass er einen reichen Banker zu spielen habe – ohne große Abläufe im Leben. Und wie der Andere, der neben ihm, dazu käme einen richtigen Bettler zu spielen, der schließlich in einem Schafstall stirbt. Wie komme er dazu, so eine interessante facettenreiche Rolle spielen zu dürfen - gegenüber seiner belanglosen. Diese Rollenbetrachtung im Jenseitigen widerspricht natürlich der irdischen Sicht. Aber gegen die Auswahl des jenseitigen Regisseurs gab es keinen Ausweg und so fand das Spiel im Irdischen dann statt. Danach, nach ihrem Abgang aus dem Irdischen, trafen sich die Erdenspieler wieder im Himmel zur höheren Manöverkritik.

Ihm gefiel diese Geschichte. Er nahm sie. Das brachte mich zum Respekt – Immerhin – eine so schwierige Kurzgeschichte –

Das war der Beginn einer Freundschaft und einem engen Zusammengehen.


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Eine friesische Jeanne d'Arc und andere Pretiosen
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