Auf Wiedersehen, Charlie

AUS 1976 (The Outsiders)
13 Episoden in 1 Staffel
Deutsche Erstausstrahlung: 29.04.1978 ZDF


  Die insgesamt 13 Folgen erzählen die Geschichte einer Großvater-Enkel-Beziehung. Großvater Charlie, ein rastloser Außenseiter der Gesellschaft, besucht seinen Enkel Pete in Sydney anläßlich seines 21. Geburtstags. Petes Vater ist ein erfolgreicher Autohändler und Pete soll natürlich in seine Fußstapfen treten. Zum Entsetzen seiner Eltern entschließt sich der smarte Großstadtjunge jedoch, mit seinem Großvater in dessen klapprigem Pick-up eine Reise quer durch Australien zu unternehmen. Während sich ein Abenteuer an das andere reiht, lernt Pete Charlies Lebensphilosophie immer mehr zu schätzen. Es kommt wie es kommen musste: Pete kehrt am Ende dem bürgerlichen Leben in der Großstadt den Rücken und wird selbst ein „Outsider“. 

  (fernsehserien.de)

Aus der privaten Biographie Joachim Tettenborns

  Es ist etwas Seltsames mit Geschichten, mit Werken für die Bühne, für Romane, für Film oder Fernsehen. Sie leben und haben damit jede ihr eigenes Schicksal – ja, eine eigene Lebensgeschichte. Wenn man das begriffen hat, ist es leichter die unterschiedlichen Produktionen zu begreifen, zu bewältigen.


  Die 26-stündige Fortsetzungsserie spielte in Australien. Es ging um eine Menschenbeziehungs-geschichte. Kein Crime, kein wildes Abenteuerspiel – Menschliches, Gefühliges zwischen zwei Menschen, den zwei Hauptpersonen in der Serie. Der eine war ein älterer Mann, der andere ein junger Mann, der Enkel des Älteren. Der ältere wurde von einem australischen Schauspieler gespielt – den deutschen Part hatte ich beizusteuern, der deutsche Part war der Enkel.

  Kurz zur Story: Eine wohlhabende, angesehene Bürgersfamilie in Sydney. Der Enkel des Grossvaters war ihr einziger Sohn. Von dem Grossvater wurde in der Familie nie gesprochen. Es war – als ob er gestorben wäre. Er passte nicht ins Bild. Mehr noch – sie schämten sich seiner. Er war eines Tages aufgebrochen in die Freiheit, weil er die Enge dieses bürgerlichen Lebens nicht mehr ertrug. Die goldenen  Fesseln hatte er einfach gesprengt. Die Strassen – die Weite des Landes – war nun seine Welt. Man darf ihn seinen Tramp nennen. Natürlich ging er keiner geregelten Arbeit nach. Er brauchte ja auch nicht viel für sich. Etwas zu essen, ab und zu einen möglichst guten Wein, eine Flasche, manchmal auch mehr. Schlafen konnte man bei diesem Klima meist im Freien. Ausserdem hatte er Freunde ringsherum – auch Freundinnen. Da wurde er immer gern aufgenommen. Und er war ja auch bekannt wie ein bunter Hund. Ab und zu half er beim Schafscheren, bei einer Weinlese oder was sich sonst gerade ergab. Er war damit für kurze Zeit jeweils ein fahrender Gelegenheitsarbeiter. Wenn er sich genug verdient hatte für die nächsten Wochen – dann liess er alles fahren dahin und zog wieder über das Land – Der Enkel kam nach und nach hinter das Familiengeheimnis. Er begegnete sogar eines Tages seinem Grossvater, ohne zu wissen wer er war. Der alte Mann stand eines Tages vor dem Haus der Familie. Es war der Geburtstag des Enkels. Er wollte ihn nur einmal wieder sehen, er sprach mit ihm, aber er gab sich nicht zu erkennen. Er wollte ihm wohl den Schock ersparen. Er sah ja auch aus wie ein Landstreicher – aber das war er ja auch, ein Tramp. Er war was die Engländer das „black sheep in the familiy“ nennen. Der Enkel aber – nun neugierig geworden – machte sich auf den Weg, um diesen seltsamen, diesen legendären Grossvater zu suchen. Er fand ihn – und es faszinierte ihn. Dieser Mann war kein Landstreicher im üblichen Sinne. Er war nur ein freiheitsdurstiger Mensch, der die zivilisierte Welt abgelegt hatte, ablehnte, aber wie ein Landstreicher lebte. Der Enkel schloss sich ihm an und trampte mit ihm gemeinsam durch Australien.

  Da boten sich saftige Geschichten, voller Leben an - und ganz nebenbei wurde von den Zuschauern dabei auch Australien entdeckt.
  Nun galt es für mich einen Schauspieler zu finden, der den Enkel spielen konnte. Einer der beiden Hauptdarsteller musste ein Deutscher sein, das war Vertragsbestandteil der Gleichgewichtigkeit wegen. Die Künstleragenturen waren verständigt. Ich hielt ein 'casting' ab – oder besser, zu deutsch, ein Vorstellen der Schauspieler, die für eine solche Rolle in Frage kamen. Gespräche mit ihnen, Eindrücke, Karriereweg, Aussehen – wie passend für die Rolle. Ich fand keinen jungen Schauspieler für diese Rolle. Aber dann lief mir Sascha Hehn über den Weg, ein damals noch ziemlich unbeschriebenes Blatt – Sascha Hehn war genau der Typ, den ich suchte. Ich fragte ihn nach seinen Englischkenntnissen. Er meinte, das ging an. Aber das genügte eben nicht. Die Serie wurde in Englisch gedreht und dafür hatte sein Englisch erstklassig zu sein. Ich machte ihm das nachdrücklich klar. Mit diesem Hinweis erklärte ich auch, dass ich ihn dann auch für die Serie engagieren würde. Er versprach alles zu tun, um bestens zu werden. Er habe noch eine kleine Rolle in einem Film in Afrika abzudrehen, dann würde er sich wieder melden. So geschah es auch. Er war fleissig gewesen. Das wurde mir bestätigt. Abgesehen davon wusste er natürlich auch, dass er damit etwas wesentliches für seine Karriere tat. Englisch ist in diesem Berufe eine Leiter zu mehr. Sascha war von der Serienidee und dann auch den Drehbüchern begeistert – und das gehörte auch dazu. Ich engagierte ihn und stellte ihn meinen englischen und später auch meinen australischen Partnern vor. Sie waren voll einverstanden.

  Damit konnten wir langsam zur Serienproduktion kommen – könnten – wenn da nicht einige der australischen Drehbüchern gewesen wäre. Die entscheidende Verantwortung lag im Wesentlichen bei uns als Hauptgeldgebern – letztenendes aber bei mir. Mich hatte nach Abschluss der Produktion die Anstalt am Wickel, wenn es ein Fehlschlag wurde – Die Drehbücher der Australier!! Ich sprach schon darüber. Ich konnte viele davon nicht akzeptieren. Sie waren mir oft zu naiv, auch primitiv und oft leider ohne Spannung. Fernsehgeschichten hatten die Zuschauer mitzunehmen, nicht sie sitzen zu lassen. Meine Proteste waren entsprechend massiv. Ich verwarf die meisten Drehbücher – ich musste sie verwerfen. Das konnten meine englischen Partner noch verstehen – ausserdem kannten sie mich. Ich hatte mir bei ihnen und einigen anderen englischen Produzenten einigen Respekt erworben. Meine australischen Partner hatten keinerlei Verständnis für meine Urteile, meine Haltung. Das ging so weit, dass sie mir Australienfeindschaft vorwarfen und mehr – der deutsche Feind Joachim Tettenborn. Eine seltsame und absurde Ehre.

  Aber eines Tages lief das Fass über – das war ja auch zu erwarten gewesen. Das geschah in London im Büro meines englischen Produktionspartners. Wieder fanden Drehbuchbesprechungen statt – wieder waren viele davon für mich nicht ausreichend. Ich hatte meinen Stellvertreter mitgenommen. Das machte ich bei grossen Produktionen immer so. So war ein Kundiger im Falle eines Ausfalles von mir immer vorhanden. Sie telefonierten mit Sydney. Sie übermittelten mir, dass die Australier aussteigen wollten, wenn sich nicht bald ein Einverständnis ergäbe. Nun zogen sich auch die Engländer auf die australische Position zurück. Das nahm ich zur Kenntnis, griff meinen Mantel und sagte ihnen gemeinsam mit meinem Stellvertreter ‚Auf Wiedersehen‘ – besser ‚Good by‘.  Die Engländer eilten uns nach, holten uns auf der Treppe ein und führten und zurück zum Produzentenbüro. Unsere Reaktion hatte sie überrascht. Es gab nun ein langes Gespräch mit Sydney – eine langes Gespräch von mir zu meinen ‚Intimfeinden‘. Ich blieb zunächst in London. Es fanden der Gespräche noch etliche statt und – man mag es glauben oder nicht – es kam letzten Endes zu einem gemeinsamen Einsehen. Argumente gegen Argumente – endlich vernünftige Gespräche.
 
  Dann später – in Australien – nach einem näheren Kennenlernen – da lief das alles wie am Schnürchen. Nachdem sie begriffen hatten, dass mein Widerstand weder Eigensinn noch Pflege meiner Eitelkeit war – als sie verstanden, dass es mir nur um das Besseres ging – da hörten sie mir sogar geduldig zu. Und auch sie trugen nun einiges zu gemeinsamen Sache bei – Es gab jetzt gute Vorschläge von ihnen, die Vorschläge von mir beiseite rückten. Ja – nun taten wir es gemeinsam – Nun endlich eine glückliche Familie –

  Sascha Hehn war in Sydney eingetroffen und alle waren von ihm begeistert. Sein Englisch war wirklich sehr gut geworden. Und sein Charme – ja, den hatte er eben – Manche mögen ihn in Deutschland nicht. Aber wer ihn von seinen Serien kennt – nehmen wir nur ‚Traumschiff‘ als Steward, der wird mir recht geben, er hat Charisma und eine eminente Ausstrahlung. Die Frauen, die Mädchen von Australien – sie lagen ihm zu Füssen – ein Teppich der Lust – für ihn ausgebreitet – aber er war mehr, wie sich nicht zuletzt bei dem ‚Ernst-Deutsch-Theater“ zeigte, wo er den Prinzen in ‚Prinz Friedrich von Homburg‘ spielte. Aber auch sonst – er zeigte sich bei dieser australischen Serie – er war sehr diszipliniert und immer einsatzbereit. Er liess keinen Stunt für ihn zu – das machte er alles selbst. Das trug ihm Respekt und Achtung ein. Wenn es sein musste, da warf er sich auch in die Büsche in freier Wildbahn, ohne Rücksicht auf die Gefahren – und die gab es da schon – gefährliche, giftige Spinnen, eine versteckte Giftschlange – Ihm geschah nichts – Glücklicherweise –
  Noch einmal zu Sascha Hehn. Er verstand sich mit seinen australischen Kollegen ganz hervorragend – nicht zuletzt auch, weil er sich nie vordrängte, nie den Star spielte, keine Allüren hatte, nur ein Kollege sein wollte – Ich habe in Sydney mit ihm so manches Glas geleert- oft bis in den Morgen hinein. Es wurde fast zu einer Freundschaft. Und wann immer wir uns später einmal trafen, er vergass niemals zu sagen: „Jochen, Du hast mich entdeckt.“  Das stimmt zwar, aber ich bin sicher, wenn nicht ich, so wäre es mit einem anderen anderswo geschehen.

  Nun vergehen ja immer Monate bis so eine Serie sendefertig ist, das heisst Endschnitt und hier dazu Synchronisation. Am Schluss die Endabnahme mit Produzenten, betreuendem Redakteur und einem der Oberen mit wachsamen Augen.

  Die Serie lief nun über die Bildschirme. Das Echo war eher mässig. Die Serie lief nur so mit – kein grosser Erfolg – aber – Gott sei Dank! – kein Misserfolg. Ich war enttäuscht. Es steckte ja auch eine Menge Arbeit und viel Hoffnungen in so einer Serie – schade - -
- die nächste wird besser. Das hofft man immer danach - -