Nur ein einziger Tag

Nur ein einziger Tag

(Roman)

 

256 Seiten

Format: 13,5 x 21 cm

Einband: Hardcover

1 Auflage 1972

Verlag Fritz Molden, Wien-München-Zürich

ISBN 3-217-00412-4

 

  Der Journalist Walter Kamprath soll einen Bericht über einen Verkehrsunfall schreiben, bei dem der Schauspieler Carp den Tod gefunden hat. Doch die Details der Vorgeschichte und die Person des Verunglückten lassen Kamprath nicht mehr los. Aus der Reportage wird sein erster Roman. Und je weiter die Arbeit am Roman fortschreitet, desto mehr erkennt der Schreibende, daß er und sein Held Camp dasselbe Problem haben: mittelmäßig zu sein. Hat Camp aus seinem Lebensversagen die Konsequenz gezogen und in jener Nacht den Tod gesucht? Kamprath geht den Daseinsspuren Carps nach. Die poetische Bewältigung dieser Aufgabe ist zugleich die Bewältigung seines eigenen Existenzsproblems.

 

  Wochen später holt Kamprath das Manuskript aus der Schublade, um es kritisch durchzusehen. Hat es dieses eine und erste Mal in seinem an Großtaten so armen Leben etwas großes geschaffen? Die Lektüre wird zu einem Selbstgericht. Der lesende Kamprath unterbricht immer wieder seine Tätigkeit und ergeht sich in vergleichender Selbstdarstellung. Mit diesem Kunstgriff macht Tettenborn die Bilanz des Journalisten Kamprath zur Variation der Camp-Geschichte. Aus beider Wechselwirkung wird ein stummer Zweikampf, bei dem Kamprath versucht, die eigene Mittelmäßigkeit in der Person seines Romanhelden abzuschütteln. Der tote Camp soll Kamprath helfen, aus seiner Klischeewelt auszubrechen.

  (Klappentext)

In seiner Biographie schrieb Tettenborn über die Entstehung dieses Romans

... ich hatte noch nie in meinem Leben einen Roman geschrieben, nur einige Kurzgeschichten. Das Theater war mein Feld – Theaterstücke. Aber dann begegnete mir eine lebendige Geschichte – etwas, was in meiner Umgebung wirklich geschah und mich tief beeindruckte. Aber das führte noch nicht dazu bei diesem Stoff, diesem Geschehen, an einen Roman zu denken. Was sich da abspielte vor meinen Augen und Ohren kam aus meiner Schiller-Theater-Zeit. Der Selbstmord eines schon älteren Kollegen, eines Schauspielers, eines Chargenschauspielers - kleine Rollen, immer einsatzbereit. Ihn ereilte das Schicksal in den ersten Januartagen. Sein Vertrag wurde nicht verlängert – Die Verträge mit der künstlerischen Truppe wurde jeweils im Januar verlängert oder gekündigt. So blieb den Betroffenen ein halbes Jahr Zeit für die Suche nach einem neuen Engagement. Sein Vertrag wurde nicht verlängert – wohin nun – Wer würde ihn noch aufnehmen. Es war nicht einmal in erster Linie sein Alter – Rollen für seine Altersklasse gab es genug – aber ein Chargen-Spieler - dafür waren nur die kleinen Rollen da. Chargen-Spieler fanden meist nur an großen Theatern ihren Platz. Und davon musste er sich nun verabschieden. Er konnte an keine Zukunft mehr für sich glauben –

Dieser eine Tag im Leben dieses Schauspielers – dieser Tag an dem er seine Kündigung erhielt, bis zu seinem Tod in der gleichen Nacht – dieser Tag begann mich mehr und mehr zu beschäftigen. Er kam arglos ins Theater zu einer Theaterprobe. Dort erhielt er das Kündigungsschreiben. Er spielte am Abend noch seine Rolle in einem Theaterstück – und im Morgengrauen wurde er fast volltrunken auf einer Straße in Berlin von einem Lastwagen überfahren. Er starb an Ort und Stelle. Der Lastwagenfahrer wurde später freigesprochen. Er hatte nichts getrunken und die Straße war zum Zeitpunkt des Unfalls kaum befahren. Der Schauspieler war, nach Aussage des Fahrers, ihm direkt vor den Wagen gelaufen. Unfall? Selbstmord? Ein Selbstmord lag hier nahe. ...

Presseartikel 'Hinter den Kulissen', Der Abend, 1972
Presseartikel 'Hinter den Kulissen', Der Abend, 1972

So kam ich zum Titel meines ersten Romans, der nur einen Tag in die Nacht hinein beschreibt. Mein Titel: „Nur ein einziger Tag“.

Ein Roman. Ich erwähnte es schon – das war absolutes Neuland für mich. Und ich wusste nicht, ob ich das konnte. Ich dachte, mach es einfach, erzähle was Dir einfällt. Wegwerfen kann man das immer noch. Und so setzte ich mich hin und begann zu schreiben. Ja – ich habe es einfach begonnen, darauf vertrauend, dass mich eine gute Fee zu einem guten Ende bringen würde. So ein erstes Mal – so eine Premiere – das ist immer ein großer Spannungsmoment im Leben eines Schriftstellers. Ich war selber gespannt, was sich nun von mir, für mich abspielte.

Ich weiß, jedes Kunstwerk hat sein Eigenleben – sein eigenes nur ihm zugehöriges Leben, Schicksal. Jedes – ein unverwechselbares. Das ist nicht vorstimmbar vom Autor. Auch er ist abhängig. Es ist dann, wie bei einer Geburt – was wird es sein, wohin zeigt sein Weg, ist es gesund, lebensfähig?

Ich schrieb und schrieb. Ich habe dabei überhaupt nicht daran gedacht, dass am Ende ein Romanverlag stehen könnte – ein Verleger – ein Buch zum Kauf, zum Verkauf. Ich schrieb es ohne ‚böse Absicht‘ bin ich versucht zu sagen.

Es ergab sich hierzu etwas Unvorhergesehenes, Unvorhersehbares. Ich war in Wien mit verschiedenen Fernsehprojekten beschäftigt. Dazu Abendeinladungen der Wiener Kollegen – so lernte ich nach und nach alle Grössen des Österreichischen Rundfunks, des ORF, kennen. Ich hatte mich lange mit dem Wiener Programmdirektor unterhalten und dabei auch über meinen Roman gesprochen, den er vom Inhalt sehr interessant fand. Und – meinem Glück sei es gegönnt – unter den prominenten Gästen war auch der bekannteste österreichische Verleger Fritz Molden vom Molden-Verlag. Also ein hochrangiger Belletristiker. Der Programmdirektor führte mich zu ihm. Auch ihm durfte ich von meinem Roman erzählen. Er erbat sich das Manuskript zur Beurteilung. Nun – das tat ich später flugs. Er nahm mich ernst. ...

Kurz gesagt – der Roman wurde angenommen. Ich war in einem Glückstaumel. Kaum zu glauben. Mein erster Roman und gleich eine Verlagstür auf – und was für eine. Immerhin war der Molden-Verlag der bedeutendste österreichische Verlag. Die äußere Gestaltung des Buches war sehr gut gelungen – und auch der Titel blieb mir erhalten: Nur ein einziger Tag

Ja - das war auf diesem Gebiet der erste Streich und ein überraschender noch dazu.

Der Erfolg dieses ersten Romans war mäßig. Aber dass er überhaupt erschienen war und in einem so renommierten Verlag – das war schon die halbe Eintrittskarte zur oberen Loge.


Pressestimmen

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Der Mann, der uns 'Bonanza' kaufte
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Geschichte eines Gescheiterten
Tagesspiegel, 17.6.1972.pdf
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Begegnung mit modernem Schriftsteller
Husumer Nachrichten, 4.8.1972.pdf
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Neugier für ein Buch geweckt
AZ Mainz, 31.10.1972.pdf
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