Die 2

The Persuaders
GB/USA, 1971 - 1972
24 Folgen
Deutsche Erstausstrahlung: 11.7.1972 (ZDF)

   Hauptpersonen dieser englischen Krimiserie aus den frühen Siebzigern sind der Selfmademan, Ölmillionär und Playboy Daniel "Danny" Wilde (Tony Curtis), der als Straßenjunge in Brooklyn aufgewachsen ist und es mit viel Glück und Verstand durch Ölquellen und Börsenspekulation zum Multimillionär gebracht hat und der in wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsene britische Snob und Adelige Lord Brett Sinclair (Roger Moore), der durch sein Erbe und sein Glück im Spiel ein sorgenfreies und luxuriöses Leben führen kann. Als Freund und Vertrauter der beiden ungleichen Millionäre weckt der pensionierte Richter Fulton (Laurence Naismith) bei ihnen das gemeinsame Interesse für Kriminalfälle. In seinem Auftrag lösen sie knifflige Fälle, wobei sich der aristokratisch-britische Lord Sinclair und der hemdsärmelig-schnoddrige Danny Wilde zu einem explosivem Duo ergänzen, das zu unterhalten weiß...
  (Text: Daniel Imort)

Tettenborn erinnert sich

  Auch der kuriosen Dinge gab es viel auf diesem Gebiet. Ich hatte in Los Angeles eine Dreizehnstunden Kriminalserie aufgekauft. Die hatte in den Staaten wenig Erfolg gehabt. Die deutsche Presse plusterte sich bösartig auf, als sie von diesem Kauf erfuhr. Sie fragte in ihren Zeitungen unseren Sender, wer für diesen Kauf verantwortlich sei. Diese Serie gelte in den Staaten als die erfolgloseste und langweiligste Serie. Aber die Oberen des Senders, der Programmdirektor, der Hauptabteilungsleiter liessen mich gewähren. Sie waren von mir nun schon einiges gewohnt und hatten immer wieder erlebt, dass anscheinend hoffnungsloses unter meinen Händen zum Erfolg gelangte. So auch hier. Für diese Serie hatte ich mir etwas Besonderes einfallen lassen, basierend auf der Klasseschauspielerbesetzung‚ Roger Moore, Tony Curtis‘. Mit dieser Grundidee im Kopf habe ich diese Serie nur einkaufen können.
  Die Serie musste natürlich synchronisiert werden, wie auch die anderen ausländischen Serien. Ich hatte mit dem Leiter des Berliner Synchronstudios, mit Herrn Brunnemann, schon Vorabsprachen getroffen. Ich suchte ihn an seinem Urlaubsort in Österreich auf und besprach mit ihm meinen Sprach-Anschlag auf diese Serie. Ich wollte sie mit frechen Sprüchen der beiden aufpeppen, mit superfrechen. Das gab es bisher im Fernsehen noch nicht. Brunnemann war begeistert dabei und nun gab ich der Serie den neuen Namen „Die 2“.
   Da gab es zum Beispiel Fragen und Antworten besonderer Art. Auf die Frage, wie es denn gehe – „Ich kann nicht besser klagen“, zum Mundschutz der Ärzte bei operieren wurde „Krümelschutz“ gesagt. Und so weiter.
  Und dann stand die Serie im Programm und lief an, argwöhnisch von der Presse beobachtet. Aber Negativ-Reaktionen blieben erstaunlicherweise aus. Sie waren wohl verblüfft – vielleicht auch verärgert, da ihr Verriss im Kasten bleiben musste. Sie sahen eine spannende und vor allem auch lustige Krimiserie. Ich hatte zunächst auf zwanzig Mal eine Stunde aufgestockt, aber einmal lief eben auch die letzte der zwanzig. Und nun meine Presse – sie waren empört und fragten beinahe drohend bei den Oberen meines Senders an, wer verantwortlich dafür sei, dass diese erfolgreiche, witzige Serie abgesetzt werde. Es war die gleiche Presse mit der Vorverurteilung. Aber auf diesem Gebiet konnte mich nun kaum noch etwas erschüttern. Das musste man hinnehmen – so oder so –
  Vor allem die Jugend sprang auf dieser Serie. Ich erfuhr, dass sie mit Schreibblock für dem Fernseher sassen und sich die frechen Sprüche aufschrieben. Das grosse Interesse der Zuschauer gab mir eine gute Gelegenheit altes, fast vergessenes Sprachgut wieder unter das Volk zu bringen. Das Wort ‚grübeln‘ zum Beispiel gab es nicht mehr – nach der Serie war es wieder da und ist geblieben. Hingegen „sie gingen selbdritt“ verschwand wieder aus der Sprache. Die Synchronschauspieler, die den amerikanischen und englischen Schauspieler ihre Stimme gaben waren mit voller Lust dabei. Das fiel aus dem Rahmen – endlich einmal. Und so entstanden aus der Lust am tun im Atelier hin und wieder freche Sprüche, die eigentlich Kalauer waren. Das nahm ich für das exzellente Betriebsklima hin. Leider liessen sich einige Male Synchronregisseure dazu verleiten, auch anderen Mitspielern freche Sprüche in den Mund zu legen. Das war falsch und gefährlich und gegen die hier aufgebaute Sprachdramaturgie. Nur die zwei hatten dazu das Privileg. Wenn es mehr wurden – entwertete das das Ganze. Hier griff ich sofort ein.