TETTENBORN UND DAS HÖRSPIEL

  Meine „Perspektiven“ wurden inzwischen auch in der Bundesrepublik nachgespielt.
Während dieser Zeit entstanden auch zahlreiche Hörspiele. Ich erhielt Aufträge der Sender. Mein erster Auftrag kam von NWDR. Es war ein Hörspiel das in der DDR spielte. Davon habe ich schon erzählt. Ich schrieb dieses Hörspiel ohne jegliche Hörspielerfahrung – ohne bisher je ein Hörspiel, gehört zu haben. Damals hat mich wohl meine Naivität gerettet. Meine Begabung für’s szenische Wort stand mir dabei zur Seite. Dieses Hörspiel wurde viel besprochen. Heute kräht kein Zeitungshahn noch nach einem Hörspiel. Schade. Damals jedoch gab es immer ein grosses Presseecho – teils mit Zeichnung dazu. Es war nicht selten, dass eine halbe Seite dafür bereit stand. Natürlich vor allem in den Programmzeitschriften. SFB und der RIAS waren oft meine zusätzlichen Brötchengeber.  

  „Gedanken im Kreise“, „Übermorgen Regen“, „Der schwarze Schwan“ und – und – und –
Damit war mein Name auch auf diesem Gebiet im Handel.

Beim Teufel abonniert

Nordwestdeutscher Rundfunk 1952
Erstsendung: 30.10.1952 | 50'20
Regie: Curt Goetz-Pflug

 

 

 

Wie bringe ich meine Frau und mein Kind durch diese schwere Zeit? Nur diese Frage interessiert den Arzt, der sein Studium hat beenden können und nun nach einer Stelle sucht. Er geht den Weg des geringsten Widerstandes; dieser Weg führt ihn in die Maschinerie der Diktatur. Aber eines Tages meldet sich sein Gewissen. Ist er nicht jetzt "beim Teufel abonniert"? Ist er schuldig gewor- den oder ist er nur Opfer? Nach der Flucht des Arztes wird diese Frage wichtig.

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Pressestimmen

Beim Teufel abonniert - Ankündigung (unbekannte Quelle)
Beim Teufel abonniert - Ankündigung (unbekannte Quelle)
Wir hören mit - Radiokritik (Telegraf, 30.10.1952)
Wir hören mit - Radiokritik (Telegraf, 30.10.1952)
Diktatur schafft neue Maximen (Neue Zeitung, 31.10.1952)
Diktatur schafft neue Maximen (Neue Zeitung, 31.10.1952)


Übermorgen Regen

Sender Freies Berlin
Erstsendung: 24.01.1957
Regie: Erich Köhler

 

 

 

Die lange Zeit vergeblichen Wartens auf einen Erfolg seiner Bemühungen hat die Hoffnungen des Chemikers Smithfield zerstört. Als Stras-senhändler, der Fleckenwasser anpreist, muss er sich mühsam durchschlagen. Freunde haben für seine Behauptung, er könne die Wolken zum Regnen bringen, nur Spott übrig. Als Smithfield schon nichts mehr zu erwarten wagt, kommt ihm eine bedrohliche Wasserknappheit in Newpolis zu Hilfe. Auf der verzweifelten Suche nach einem Helfer in Not erinnert sich jemand der vor zehn Jahren eingereichten Pläne. Kaum hat Smithfield mit seinen Maßnahmen begonnen, strömt das ersehnte Wasser vom Himmel. Er erhält die Ehrenbürgerschaft von Newpolis und eine An- stellung auf Lebenszeit.

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Pressestimmen

Übermorgen Regen - Ankündigung im Tagesspiegel (24.1.1956)
Übermorgen Regen - Ankündigung im Tagesspiegel (24.1.1956)
Der übertrumpfte Regenmacher - Ankündigung im Berliner Kurier (23.1.1957)
Der übertrumpfte Regenmacher - Ankündigung im Berliner Kurier (23.1.1957)


Der schwarze Schwan

Sender Freies Berlin 1958
Erstsendung: 06.02.1958 | 83'05
Regisseur:     Erich Köhler
Komposition: Hans Otto Bergmann

Große Besetzung im bekanntesten Hörspiel Tettenborns - Hilde Hildebrand, Johanna von Koczian, Paul Klinger u.a.  (Archiv Tettenborn)
Große Besetzung im bekanntesten Hörspiel Tettenborns - Hilde Hildebrand, Johanna von Koczian, Paul Klinger u.a. (Archiv Tettenborn)
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Inhaltsangabe von Jochim Tettenborn
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Mitwirkende

Hilde Hildebrand  - Jean Maidon, Filmstar                           Ilse Fürstenberg  -  Betty Schwartz, Garderobiere   Alfred Balthoff  -  Lars Lienhardt                                           Ernst Stahl-Neubaur  -  Mr. Frank, Rechtsanwalt            Paul Klinger  - Jonas Keller                                                        Ernst Sattler  -  Mr. Williams                                                    Klaus Herm  -  Wolfdieter Hoffmann                                    Emil Surmann  -  Mr. Deanch                                                  Harald Karas  -  Erster Reporter                                              Rudi Stark  -  2. Reporter                                                       Herbert Weissbach  -  Redakteur                                      Erhard Stettner  -  Schaffner                                                        Paul Paulschmidt  -  Fremdenführer                                  

u.a.


Der schwarze Schwan war der Film, der Jean Maidon zum weltberühmten Star machte. Maidon hinterlässt ein Testament, das derjenigen Filmfirma sieben Millionen Dollar zusichert, die eine Reprise des "Schwarzen Schwans" bringt, und zwar mit ihrer Nichte Helene in der Hauptrolle. Diese Nichte ist dumm, langweilig und unbeholfen; fotogen ist sie schon gar nicht. Nur eine einzige Firma, der das Wasser bereits bis zum Hals steht, entschließt sich zu dem Wagnis. Aus dem armen Lenchen soll eine Miss Helen werden. Der Wirbel, den dieses toll- kühne Unternehmen auslöst, ist unbeschreiblich und führt zu einem Bombenerfolg.

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Gedanken im Kreise

RIAS Berlin 1962
Erstsendung: 05.09.1962 | 58'40
Regie: Wolfgang Spier
Kompositionen: Friedrich Scholz


aus HÖRZU (oben und unten)
aus HÖRZU (oben und unten)

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt des Hör- spiels: Frau Brettschneider, verheiratet mit ei- nem kleinen Postbeamten, fünf Kinder und nie- mals abreißende Arbeit, Lu Dabor, ein Filmstar, dessen Ruhm schon langsam zu verblassen be- ginnt und eine ledige Ärztin, Frau Dr. Kamnitz. Ein Autounfall des Filmstars vor dem Haus von Frau Brettschneider führt sie zusammen. Alte Wünsche und Gedanen werden dabei wieder lebendig. Lu Dabor war Medizinstudentin. Sie wollte Ärztin werden. Ein Zufall brachte sie zum Film. Ruhm und Phantasiegagen folgten. Frau Dr. Kamnitz, die berufstätige alleinstehende Frau, sehnt sich nach eigener Familie und Häuslichkeit und kann allein darin die Erfüllung eines Frauenlebens sehen. Wie wenig hätte gefehlt und eines dieser Schicksale hätte sich ganz an- ders entwickelt. Doch ob das ihr wirkliches Glück geworden wäre - wer kann das schon sagen. Vielleicht würden sie dann von einem Leben träumen, wie sie es jetzt führen. (Pressetext)

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In seiner Biografie erzählt Tettenborn über die Hörspiele

In meine Stempelzeit fiel ein Brief des NWDR. Ein Kurt Götz-Pflug erwartete mich zu einem Gespräch. Zunächst dachte ich – wieder ein Interview – nun schon etwas verspätet. Nein – es war ganz anders –

Es ging nicht um Interviews, nicht um Radioplaudereien. Sie boten mir an – er bot mir an, ich solle eine Geschichte zu einem Hörspiel verarbeiten –

Jetzt war ich wahrhaftig erstaunt. Ich hatte noch nie in meinem Leben ein Hörspiel gehört, geschweige denn geschrieben. Aber so etwas muss sich doch machen lassen, dachte ich, und sagte einfach zu und ging mit der etwa neunseitigen schreibmaschinengeschriebenen Geschichte davon. Eines war klar: Es sei gewagt! Und ich habe nie Furcht vor etwas Neuem gehabt –

Die Geschichte erzählte eine wahre Begebenheit, ein Schicksal aus dem Osten Deutschlands, ein Schicksal aus der DDR. Es ging um einen Amtsarzt aus Leipzig. Er wurde immer amtsgemäss ins Gefängnis geholt, um Totenscheine für Häftlinge auszustellen. Er hatte jeweils natürliche Todesursachen auf dem Totenscheine zu vermerken – aber dem war nicht so – in den meisten Fällen. Er hatte keine Möglichkeit, keine Zeit sein Gewissen zu befragen. Die Polizei, die Stasi, saß ihm im Nacken. Und er gehorchte. Er litt darunter, aber er gehorchte. Es war eine ganz verständliche Feigheit dabei. Ja, er gehorchte, bis, bis zu einem Tag an dem er den Druck nicht mehr aushielt und so floh er mit seiner Frau nach Westberlin. Übrigens seine Frau war eine ungarische Gräfin. Das hat mir damals sehr imponiert – na, ja – dazu kein Kommentar. Nun jedenfalls waren sie in Westberlin angekommen als Flüchtlingen und begehrten auch als Flüchtlinge aufgenommen, registriert zu werden. Sie wurden nicht abgeschoben. Das war schon alles – wie sich herausstellte. Sie durften bleiben aber die Anerkenntnis-Maschinerie verweigerte sich ihnen – aber nur nach einer Flüchtlings-Anerkennung gab es wieder ein bürgerliches Leben, ein einigermaßen bürgerliches Leben. Sie erhoben Einspruch gegen ihre Ablehnung – abgelehnt. Damit verlor sich ihre Spur. Niemand hat wieder etwas von ihnen gehört.

Nun – das war ein Stoff für mich nun nach meinem Theaterstück.

Aber nun kam es. Ich musste es ja schreiben - und wie schon erwähnt – ich hatte bisher nie ein Hörspiel gehört, geschweige denn geschrieben. Aber – ich war im Wort. Ich musste es einfach tun. Und mit voller Naivität und Unbekümmertheit macht ich mich an die Arbeit. „Hörspiel“ – das ergab schon der Begriff – das war ein Spiel, das nur zu hören war. Dialoge – natürlich, aber – die Personen des Spiels und die Schauplätze an dem es jeweils spielte, die mussten vorgestellt werden. Das heißt, wenn etwas in einem Arbeitszimmer spielt. So musste irgendwie angemerkt werden, dass es dieser Ort war. Zum Beispiel: „kommen Sie doch bitte mit in mein Arbeitszimmer“, „diese Küche habe ich vor zwei Monaten renovieren lassen“ dazu Küchengeräusche – also eine gesprochene Kulisse. Ich schrieb also, was ich hörte mit ergänzenden Geräuschen.

Dann war es geschafft. Ich hatte ein Hörspiel geschrieben. Spieldauer etwa eine Stunde, so wurde mir auch beim Auftrag gesagt. 14 Tage hatte es gedauert. Nun lag es auf dem Tisch zum Hintragen zu Kurt Götz-Pflug im NWDR. Wie gedacht, so getan. Nun hatte es die vorbestimmte Heimat gefunden. Ich – unerfahren auf diesem Gebiet, auch was die anstaltsmäßige Handhabe eines solchen Projektes betraf – so wurde ich nach drei, vier Wochen unruhig, ungeduldig. Und so zog ich dann dahin zum NWDR. Meine Frage nach dem Fortgang des Geschehens wurde für mich überraschend beantwortet. Das Hörspiel sei bereits in Produktion. Alles sei bestens. Das überholte mich schon, vor allem aber die Frage des Götz-Pflug-Boss, ob ich einen Vorschuss wolle – und ob ich das wollte. Und hier stellte sich heraus, dass ich bisher ja gar nicht wusste, auf welches Honorar ich warten durfte. Der Vertrag war postalisch falsch gelaufen – ich hielt ihn erst jetzt in meinen Händen. Als ich die Summe las, die mir der Vertrag mitteilte, verschlug es mir die Sprache. Ich fühlte mich sofort so wie eine Art von Millionär. 2400,-- Mark! Das soll mal einer glauben, einer so wie ich. Und nun ein Vorschuss von der Kasse in meiner Hand – einen Vorschuss von 1200 Mark - !

Ich hatte meinem Hörspiel den Titel gegeben:

Beim Teufel abonniert“

Aber das hier nun, das war etwas göttliches für mich –

1200 Mark in meiner Jackentasche. In Scheinen. Das würde meine Gisela aus dem Sessel reißen. Das wusste ich und so war es auch.

Als erstes ein Besuch Giselas in der Konditorei um die Ecke. Gisela kaufte für jeden von uns zwei Stückchen Erdbeertorte mit Schlagsahne und echten Bohnenkaffee. Ein halbes Pfund Bohnenkaffee. Lange entbehrt. Sie erzählte mir nach dem Einkauf, eine Frau habe zu ihr gesagt „Sie können sich das leisten“ – sie meinte die Figur Giselas und sie antwortete ihr „Man muss es sich auch leisten können“ und ging.

Nun gab es einen Pressenachmittag und noch einen zweiten am nächsten Tage -

Und was hatten meine Augen erblickt – aber damals fern wie der Mond – im Schaufenster eine Elektrogeschäftes – ein Band-Recorder, einen Philipps. Und schon hatten wir ihn gekauft. 600 Mark – na, und – 2400 Mark und auch der Rest kann dann an –

Hätte ich das Sendegold nicht melden müssen bei dem Stempelgeldhauptquartier? – beim Finanzamt? Ich muss gestehen, dass ich daran überhaupt nicht gedacht habe im Trubel und Jubel des Glücksgefühls –

Und nun ist das verjährt – mehrfach - - -

Übrigens nachträglich erfuhr ich, dass an diesem Stoff schon drei sehr renommierte Hörspielautoren geschrieben hatten und gescheitert waren. Mein Gott! Wenn ich das gewusst hätte – aber nein, nein !! – ich hätte es trotzdem gewagt.

Die Sendung kam, nach viel Vorlauf in der Presse – ich war ja immerhin der Autor der „Perspektiven“, der es geschrieben hatte. Das Spiel wurde positiv aufgenommen. Und nun kamen die Anfragen der Radiosender – RIAS, SFB. Aufträge. Ich schrieb nun mehrere Hörspiele, die damals, im Gegensatz zu heute, immer eine große Beachtung in der gesamten Presse fanden – teilweise mit Zeichnungen der Szenen. Zwei Hörspiele sind mir auch heute noch nahe „Der schwarze Schwan“ und „Übermorgen Regen“, und –

Aufträge auch für Schulfunkgeschichten – auch Gisela stieg hier ein. Dafür gab es kein großes Honorar, aber die Wiederholungen brachten es - oft fünf oder sechsmal. Ich habe damals die antike griechische Geschichte zum Hörklingen gebracht. Als ich einmal die Seeschlacht von Salamis ihnen auftischte, da lachte die ganze Sendegemeinschaft. Wie sollte das bewegt werden. Da ging es um hunderte von Schiffen, Kriegern. Nun – sie haben es bewältigt. Das ‚Wie‘ war ihre Sache. Gisela hatte sich der Berliner Lokalgeschichte zugeschrieben für den Schulfunk. Wie der Name ‚Köpenik‘ entstand – und so – auch sie verdiente nun – nun waren wir Doppelverdiener. Wer hätte das einmal gedacht.